Gemeinsam für den Bundeskader
Vier Tage lang stand das Schießsportzentrum in Suhl ganz im Zeichen der Vorbereitung auf die anstehenden Ranglistenwettkämpfe im Juli und August. Gemeinsam absolvierten die Gewehrkader des Rheinischen Schützenbundes (RSB) und des Westfälischen Schützenbundes (WSB) ein intensives Trainingslager, bei dem nicht allein die Ringzahl im Mittelpunkt stand, sondern vor allem das Erlernen wettkampfrelevanter Fähigkeiten unter realistischen Bedingungen.
Bereits bei der Planung war klar: Suhl bietet mit seinen anspruchsvollen Außenständen ideale Voraussetzungen, um Situationen zu trainieren, die bei den Ranglisten jederzeit auftreten können. Ziel war es daher, Wettkampfroutinen zu festigen, den Umgang mit wechselnden Bedingungen zu verbessern und insbesondere die Faktoren Wind und Licht bewusst wahrzunehmen und in die eigene Wettkampfentscheidung einzubeziehen.
An allen vier Tagen wurden Wettkämpfe unter möglichst realistischen Bedingungen durchgeführt. Zwischen den Wettkämpfen standen kurze Theorieeinheiten, individuelle Technikarbeit sowie gemeinsame Analysen auf dem Programm. Die Sportler lernten, ihre Entscheidungen bewusst zu treffen, Belastungen über mehrere Wettkämpfe hinweg zu bewältigen und ihre Wettkampfroutine weiter zu stabilisieren.
Besonders erfreulich war dabei die offene Zusammenarbeit zwischen den beiden Landesverbänden. Trainer und Sportler nutzten jede Gelegenheit zum gegenseitigen Austausch. Erfahrene Athleten unterstützten jüngere Kaderschützen, Erfahrungen wurden geteilt und gemeinsam Lösungen für die unterschiedlichsten Wettkampfsituationen entwickelt.
Lernen mit Bewegung – das „Windspiel“
Eine besondere Überraschung wartete am Samstagnachmittag. Anstelle des ursprünglich vorgesehenen Programmpunktes wurde von Trainerin Gaby Bühlmann ein außergewöhnliches Praxisexperiment entwickelt und umgesetzt.
Beim sogenannten „Windspiel“ wurde die Flugbahn eines Geschosses auf spielerische Weise nachgestellt. Ein Sportler übernahm dabei die Rolle der Kugel, während weitere Sportler und Trainer als symbolische Windfahnen entlang der Flugbahn positioniert wurden. Aufgabe war es, ausschließlich anhand der dargestellten Windverhältnisse vorherzusagen, wie sich die Flugbahn verändern würde.
Was zunächst für viel Gelächter sorgte, entwickelte sich schnell zu einer äußerst lehrreichen Übung. Plötzlich wurden Winddreher, unterschiedliche Windstärken und deren Auswirkungen auf das Geschoss für alle sichtbar und unmittelbar erlebbar. Auch der Einfluss von Licht und den optischen Eindrücken auf die Entscheidungsfindung konnte anschaulich vermittelt werden.
Die Übung zeigte eindrucksvoll, dass Theorie und Praxis sich hervorragend ergänzen können. Viele Zusammenhänge, die am Schießstand oftmals nur schwer zu erklären sind, wurden durch das gemeinsame Erleben unmittelbar verständlich.
Starker Teamgeist als Erfolgsfaktor
Neben dem sportlichen Teil kam auch das Miteinander nicht zu kurz. Gemeinsame Abendessen, intensive Gespräche und der Austausch zwischen Sportlern und Trainern sorgten für eine hervorragende Atmosphäre. Gerade die Mischung aus konzentrierter Trainingsarbeit und kameradschaftlichem Miteinander machte das Trainingslager zu einem besonderen Erlebnis.
Mit vielen neuen Erkenntnissen, gestärktem Selbstvertrauen und wertvollen Erfahrungen im Umgang mit Wind, Licht und Wettkampfbelastung treten die Athletinnen und Athleten nun die Vorbereitung auf die Ranglistenwettkämpfe an.
Das gemeinsame Trainingslager hat erneut gezeigt, dass sportlicher Erfolg nicht allein durch Technik entsteht. Entscheidend sind ebenso taktisches Verständnis, mentale Stärke, Teamgeist und die Bereitschaft, voneinander zu lernen. Genau diese Eigenschaften konnten in Suhl in beeindruckender Weise weiterentwickelt werden – beste Voraussetzungen für die kommenden Wettkämpfe.
Leistungsentwicklung sichtbar
Die vier Wettkämpfe des Trainingslagers zeigten bereits eine erfreuliche Entwicklung. Viele Sportler konnten ihre Leistungen über das Wochenende stabilisieren oder sogar steigern. Besonders wichtig war jedoch weniger das reine Ergebnis als vielmehr der bewusste Umgang mit den wechselnden äußeren Bedingungen und das sichere Treffen taktischer Entscheidungen.
Bei den Juniorinnen und Junioren erzielte Jana Rühl mit einem Durchschnitt von 572,25 Ringen das beste Ergebnis des Trainingslagers. Es folgten Denny Vogelsang mit 567,50 Ringen und Melissa Wilbert mit 567,00 Ringen. Damit präsentierten sich alle drei RSB-Sportlerinnen in einer ausgezeichneten Form für die bevorstehenden Ranglistenwettkämpfe.
In der Erwachsenenklasse setzte sich Max Ohlenburger (HES) mit einem Durchschnitt von 586,00 Ringen an die Spitze. Auf den weiteren Plätzen folgten Marc Hülsmann (WSB) mit 581,50 Ringen sowie Franziska Driessen mit 580,00 Ringen. Auch hier bestätigten die Ergebnisse die hohe Leistungsdichte innerhalb der Trainingsgruppe.
Lehrgangsbestleistungen der RSB-Athletinnen und -Athleten
Neben den Durchschnittswerten über alle vier Wettkämpfe konnten die Athletinnen und Athleten des Rheinischen Schützenbundes auch mit hervorragenden Einzelergebnissen überzeugen. Die besten Leistungen des Trainingslagers erzielten:
Erwachsene
Finnja Rentmeister – 585 Ringe
Franziska Driessen – 582 Ringe
Franka Janßen – 579 Ringe
Bastian Blos – 577 Ringe (bei drei absolvierten Wettkämpfen)
Juniorinnen und Junioren
Jana Rühl – 575 Ringe
Melissa Wilbert – 574 Ringe
Denny Vogelsang und Niklas Mosbach – jeweils 571 Ringe
Die Ergebnisse zeigen eindrucksvoll, dass zahlreiche RSB-Athletinnen und -Athleten ihre Form unmittelbar vor den Ranglistenwettkämpfen weiter steigern konnten. Besonders erfreulich ist dabei, dass mehrere Schützinnen und Schützen ihre persönlichen Leistungen unter den anspruchsvollen Bedingungen in Suhl mit wechselnden Wind- und Lichtverhältnissen erzielten – genau jene Bedingungen, die auch bei den anstehenden Ranglisten über Kaderplätze entscheiden können.
Blick auf die Ranglisten
Für viele Athletinnen und Athleten war das Trainingslager zugleich die letzte intensive Vorbereitung auf die anstehenden Ranglistenwettkämpfe, bei denen über die Zusammensetzung der Bundeskader entschieden wird.
Besonders im Fokus stehen dabei Anna Janßen, Bastian Blos, Hannah Wehren und Hannah Steffen-Dix, die ihre Plätze im Perspektivkader (PK) des Deutschen Schützenbundes verteidigen möchten.
Finnja Rentmeister strebt nach ihren starken Leistungen den Sprung vom Nachwuchskader 1 (NK1) in den Perspektivkader an. Marie Billion kämpft um die erfolgreiche Verteidigung ihres Platzes im NK1.
Ebenfalls hoch motiviert gehen Franziska Stahl, Franziska Driessen und Franka Janßen in die Ranglisten. Ihr Ziel ist der Aufstieg in den Perspektivkader des Deutschen Schützenbundes.
Bei den Juniorinnen und Junioren möchten sich Denny Vogelsang, Niklas Mosbach, Jana Rühl und Melissa Wilbert mit guten Leistungen für einen Platz im Nachwuchskader 1 (NK1) oder Nachwuchskader 2 (NK2) empfehlen.