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Aus dem Verband

Ich will besser werden als Anna Janßen.

Melissa Wilbert

Nur noch fünf waren übrig… nur noch vier… nur noch drei… „Wer wird neuer Bundesjugendkönig oder neue Bundesjugendkönigin? Es ist… vom Rheinischen Schützenbund…“ Noch ehe das Ergebnis vollständig verlesen werden konnte, brandete in Frankfurt großer Jubel auf. Auf der Bühne verwandelte sich die Anspannung in die ein oder andere Träne, die Melissa Wilbert die Wangen hinunterlief. Soeben wurde verkündet, dass sie die neue Bundesjugendkönigin ist. Repräsentantin aller Jugendschützinnen und -schützen im Deutschen Schützenbund – das können nicht viele von sich behaupten.

Begleitet und unterstützt von einer Delegation aus Familie, Freunden, Mitgliedern des RSB-Präsidiums und zahlreichen Mitgliedern ihres Heimatvereins, den SpSch St. Helena Xanten, machte sich Melissa im Mai auf den Weg nach Frankfurt zum Bundesjugendkönigsschießen – ohne zu wissen, dass dieses Wochenende ein ganz besonderes sein wird. „Beim Start des Wettkampfes war die Aufregung am höchsten. Um mich zu beruhigen, habe ich am Stand etwas zur Musik im Hintergrund getanzt. Das hat sehr geholfen.“ Und wie das geholfen hat. Denn gleich der zweite abgegebene Schuss sollte für die 16 Jahre alte Schülerin am Ende der entscheidende sein. Es folgte banges Warten auf die Proklamation am Abend.

Mit Verkündung des Ergebnisses – ein Teiler von 19,2 – und der Übergabe der Königskette durfte dann gefeiert und auf den großartigen Erfolg angestoßen werden. „Erst wurden jede Menge Fotos gemacht, dann kamen alle zum Gratulieren. Meine Eltern mussten einiges an Getränken ausgeben“, so die neue Bundesjugendkönigin.

Beim Start des Wettkampfes war die Aufregung am höchsten. Um mich zu beruhigen, habe ich am Stand etwas zur Musik im Hintergrund getanzt. Das hat sehr geholfen.

Dabei kommt der Erfolg nicht gänzlich aus dem Nichts. Schon im Alter von acht Jahren gerät Melissa durch die Familie mit dem Schießsport in Kontakt. Zunächst mit dem Lichtgewehr, später dann auch mit dem Luftgewehr. Ein gewisses Talent war früh zu erkennen, mit zwölf Jahren erfolgte bereits die Berufung in den Landeskader. Nächstes Ziel: Der Nationalkader! Schon bald geht es hierfür ins Trainingslager. Aber geht vielleicht noch mehr? Das größte Ereignis für Sportlerinnen und Sportler auf der ganzen Welt sind die Olympischen Spiele. Ein Traum, der auch in Melissas Kopf und Herz lebt: „Schon bei Olympia-Übertragungen im TV fiebere ich immer mit. Einmal selbst dabei zu sein, wäre das Allergrößte.“

Und warum soll dieser Traum nicht in Erfüllung gehen? Das sehen auch ihre Trainer so. „Bei einem Training in Brünen hat mir Achim Veelmann gesagt, dass er mich bei einer Olympiade sehen möchte. Das ist eine sehr schöne Erinnerung und zeitgleich auch Motivation für mich“, so die 16-Jährige. An dem nötigen Ehrgeiz fehlt es Melissa jedenfalls nicht. Zwei bis dreimal die Woche Training, Ligawettkämpfe, Deutsche Meisterschaften. Die junge Nachwuchsschützin nimmt alles mit, um sich sportlich zu verbessern. „Ich will besser werden als Anna Janßen“, so die klare Aussage! Inspiration holt sie sich dafür bei Anna selbst, beispielsweise bei Bundesligawettkämpfen in Kevelaer. Mit ihrer eigenen Mannschaft stieg Melissa in den vergangenen Jahren mehrfach auf – in der abgelaufenen Saison verpasste Xanten den Sprung in die 2. Bundesliga nur um einen einzigen Ring. Dennoch geht der Trend nach oben und persönliche Rekorde werden von Jahr zu Jahr ausgebaut.

Bei einem Training in Brünen hat mir Achim Veelmann gesagt, dass er mich bei einer Olympiade sehen möchte. Das ist eine sehr schöne Erinnerung und zeitgleich auch Motivation für mich.

Neben dem Sport ist und bleibt aber auch die Tradition ein wichtiger Bestandteil in Melissas Leben. Neben der Bundesjugendköniginnenwürde ist sie zudem amtierende Bundesschülerprinzessin des Bundes der St. Sebastianus Schützenjugend (BdSJ). Ganz schön viel Verantwortung in jungen Jahren, doch für die 16-Jährige eine Herzensangelegenheit. „Ich bin schon als Baby mit zu Schützenfesten genommen worden und mit dem Brauchtum aufgewachsen. Ich liebe es unter Menschen zu sein, miteinander zu reden und neue Verbindungen zu knüpfen. Das Schützenwesen ist in dieser Hinsicht einzigartig und es ist mir wichtig, das auch auszuleben. Daher nehme ich so viele Events mit, wie es nur geht.“

Melissa ist ein aufgeschlossener Mensch und nicht nur sportlich, sondern auch persönlich wie gemacht, um die Jugend im Deutschen Schützenbund zu repräsentieren. Sportlicher Ehrgeiz und das Einsetzen für die Gemeinschaft sind genau die Werte, die sie nicht nur lebt, sondern auch weitergeben möchte. Weitergeben möchte die Noch-Schülerin in Zukunft auch ihre Sprachkenntnisse: „Nach meiner Schulzeit würde ich gerne auf Lehramt mit Englisch als Hauptfach studieren“, so die 16-Jährige, die schon im Kindergarten frühes Interesse an der Sprache gefunden hat. Das hat sich bis heute nicht geändert: „Ich bin total sprachbegeistert und mag es, auch internationale Freunde zu finden.“ Die nächste Chance dazu bietet sich im Oktober, wenn es für einen Monat zum Auslandspraktikum nach Irland geht.

Der Plan für die Zukunft steht und Melissa geht weiter ihren Weg. Und sollte wider Erwarten all das doch nicht funktionieren? Gibt es einen alternativen Wunsch? Ja, mit Freunden eine Band gründen! „Ich habe zwar noch kein Instrument, aber ich möchte mal auf einer Bühne performen.“ Und wenn es nicht die musikalische Bühne werden sollte, dann vielleicht eher doch die große sportliche Bühne.

Fotos: DSB, privat

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