Ich bin schon immer eher ein Wettkampftyp.
Mit gerade einmal 19 Jahren hat Para-Sportschütze Philipp Zahner bei seiner ersten Weltmeisterschaft direkt das Finale erreicht und einen hervorragenden fünften Platz erzielt. Im Interview mit dem RSB erzählt er von seinem sportlichen Werdegang, den besonderen Herausforderungen im Para-Sportschießen und den Erfahrungen, die er bei seinem internationalen Debüt in Südkorea gesammelt hat. Er spricht über Training, mentale Stärke und die Bedeutung von Inklusion im Sport. Sein großes Ziel: die Teilnahme an den Paralympischen Spielen – vielleicht schon 2028 in Los Angeles.
RSB: Hallo Philipp, du hast mit gerade einmal 19 Jahren an deiner ersten Weltmeisterschaft teilgenommen, direkt das Finale erreicht und einen hervorragenden fünften Platz erzielt. Dazu nochmal unsere herzliche Gratulation. Nimm uns gerne mit – wie hast du die WM persönlich erlebt?
Philipp Zahner: Vielen Dank. Für mich ist bei der WM viel Neues zusammengekommen. Es war nicht nur meine erste WM, es war auch erst der 2. große internationale Wettkampf für mich. Außerdem war ich noch nie außerhalb von Europa, erst recht nicht ohne meine Familie. Mit unserem Team war das allerdings kein Problem, bei Unsicherheiten und Fragen hatte ich immer Hilfe. Da mein Wettkampf erst am letzten Tag stattfand, hatte ich viel Zeit zum Ankommen und zum Trainieren vor Ort. Dadurch hatte ich viel Zeit, mich auf den Wettkampf vorzubereiten und in Ruhe mein Equipment abzustimmen. Generell ist mir aufgefallen, dass die Südkoreaner äußerst freundlich und hilfsbereit sind.
RSB: Wie bist du überhaupt zum Schießsport gekommen und wie verlief dein bisheriger sportlicher Weg?
Philipp Zahner: Ein Klassenkamerad meiner Zwillingsschwester hat uns mit 8 Jahren zum Ostereierschießen (mit Lichtpunktgewehr) vom örtlichen Verein (St. Hubertus Schützenbruderschaft Porz-Urbach 1926 e.V.) eingeladen. Das hat uns so gut gefallen, dass wir beide mit dem Training begonnen haben. Anfangs haben wir nur im BHDS, später auch im RSB an Wettkämpfen teilgenommen. Mit 14 musste ich in den Para-Bereich wechseln, da mir das Freihandschießen nicht möglich ist. Dank der Para-Trainingsgruppe von Simone Fox und meiner jetzigen Heimtrainerin Sabine Müller gelang es mir 2022, mich zum ersten Mal für die Deutsche Meisterschaft zu qualifizieren. Zwei Jahre später wurde ich Vizemeister in der Disziplin SH2/AB2 Stehend. Kurz darauf wurde ich zum Training mit dem Bundeskader nach Wiesbaden eingeladen. 2026 folgte die Aufnahme in den Nachwuchskader 2 und die internationale Klassifizierung mit meinem ersten Wettkampf in Frankreich. Im Historischen Schützenbund wurde ich 2025 Diözesan- und Bundesprinz.
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Mit 8 Jahren
Der erste Kontakt zum Schießsport
Ein Klassenkamerad seiner Zwillingsschwester lädt die beiden zum Ostereierschießen mit dem Lichtpunktgewehr ein. Sein Einstieg bei der St. Hubertus Schützenbruderschaft Porz-Urbach 1926 e.V.
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Die ersten Wettkämpfe
Zunächst startet Philipp nur im BHDS, später auch im RSB.
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Mit 14 Jahren
Wechsel in den Para-Bereich
Weil Freihandschießen nicht möglich ist, wechselt er in den Para-Bereich.
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2022
Erstmals bei der Deutschen Meisterschaft
Die erste Qualifikation für die Deutsche Meisterschaft gelingt mit Unterstützung der Para-Trainingsgruppe von Simone Fox und seiner Heimtrainerin Sabine Müller.
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2024
Vizemeister
Zwei Jahre später wird Philipp Vizemeister in der Disziplin SH2/AB2 Stehend.
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Training mit dem Bundeskader
Er erhält eine Einladung zum Training mit dem Bundeskader in Wiesbaden.
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2025
Diözesan- und Bundesprinz
Im Historischen Schützenbund wird Philipp Diözesan- und Bundesprinz.
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2026
Der Schritt auf die internationale Bühne
Aufnahme in den Nachwuchskader 2, internationale Klassifizierung und der erste internationale Wettkampf in Frankreich.
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2026 · mit 19
WM-Debüt: Finale und Platz 5
Bei seiner ersten Weltmeisterschaft in Changwon, Südkorea, erreicht Philipp direkt das Finale und den 5. Platz – bei erst seinem zweiten großen internationalen Wettkampf.
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Ziel: 2028
Paralympische Spiele · LA28
Das nächste große Ziel: die Teilnahme an den Paralympischen Spielen in Los Angeles.
RSB: Du bist Para-Sportschütze – kannst du uns erklären, mit welcher Einschränkung du lebst und was das für dich im Alltag und beim Sport konkret bedeutet?
Philipp Zahner: Ich habe eine beidseitige Radiusaplasie, d.h. mir fehlt in beiden Unterarmen die Speiche. Dadurch habe ich eine Fehlstellung der Hände und kaum Beweglichkeit der Hände und Finger. Ich habe an beiden Händen nur 4 Finger, rechts fehlt der Daumen. Zusätzlich habe ich eine starke Skoliose. Dadurch ist meine Beweglichkeit im Alltag stark eingeschränkt, besonders bei feineren Bewegungen. Beim Schießen kann ich das Gewehr nicht frei halten, weshalb ich mit Federbock schieße und einen Ladehelfer brauche. Aufgrund meiner Skoliose schieße ich sitzend.
RSB: Was macht das Para-Schießen für dich so besonders bzw. was sollten unsere Leser über das Para-Schießen erfahren, was sie vielleicht noch nicht wissen?
Philipp Zahner: Für mich ist das Para-Sportschießen abgesehen vom Auflageschießen, auf das ich ja noch einige Jahre warten müsste, der einzige Weg, um an Schieß-Wettkämpfen teilzunehmen. Para-Sportschießen ist sehr gut für fast jede Art der Behinderung geeignet, die Anpassungsmöglichkeiten sind enorm. Selbst Blinde können mit entsprechenden Anlagen an Weltmeisterschaften und Paralympischen Spielen teilnehmen.
RSB: Wie sieht ein übliches Training bei dir aus?
Philipp Zahner: Ein übliches Training startet für mich mit dem Einrichten meines Schießstands (Tisch, Federbock, Stuhl, Gewehr, etc.). Meistens übe ich intensiv meinen Schießablauf und kontrolliere meine Technik mithilfe einer SCATT-Anlage. Regelmäßig überprüfe ich meinen Fortschritt mit einem Wettkampftraining oder einem gezielten Programm meiner Heimtrainerin. Neben meinem Heimtraining kommen natürlich regelmäßige Kadermaßnahmen hinzu.
RSB: Welche Bedeutung hat es für dich, deinen Sport auf einer so großen Bühne wie einer Weltmeisterschaft zu präsentieren?
Philipp Zahner: Ich bin schon immer eher ein Wettkampftyp. Nach meinem ersten Vizemeister-Titel bei den Deutschen Meisterschaften wollte ich in den Bereich des Leistungssports mit internationalen Wettkämpfen. Dass es so schnell geklappt hat, hat mich selbst überrascht.
Besonders wichtig ist es, sich, egal was passiert, nicht aus der Ruhe bringen zu lassen.
RSB: Was konntest du bei der Weltmeisterschaft aus sportlicher und persönlicher Sicht lernen und was nimmst du mit für die nächsten Wettkämpfe?
Philipp Zahner: Ich habe gelernt, besser bei mir zu bleiben, d.h. nicht zu nervös zu werden und mich dann im Wettkampf noch mehr auf mich selbst und besonders im Finale auf die einzelnen Schüsse zu konzentrieren. Besonders wichtig ist es, sich, egal was passiert, nicht aus der Ruhe bringen zu lassen.
RSB: Was war abseits des Schießstandes dein schönster Moment bei der Weltmeisterschaft?
Philipp Zahner: Am Tag nach der Ankunft habe ich mit ein paar Teamkollegen einen Spaziergang zur Akklimatisierung in Changwon gemacht. Bei der Gelegenheit haben wir das leckere südkoreanische Essen zum ersten Mal in einem kleinen Lokal getestet. Zu unserer Überraschung wurden wir von einem netten Einheimischen eingeladen. Das war eines der ersten Beispiele für die außergewöhnliche Gastfreundschaft der Koreaner.
Traut euch einfach nachzufragen, Inklusion funktioniert in den meisten Sportarten, man muss sich nur erkundigen.
RSB: Wenn wir uns in fünf Jahren wieder unterhalten: Wo möchtest du dann sportlich stehen bzw. was wäre für dich ein Traum, den du im Sportschießen unbedingt verwirklichen möchtest?
Philipp Zahner: Ich möchte gerne an den Paralympischen Spielen teilnehmen. Wenn es bei LA28 schon klappen würde, wäre das natürlich perfekt.
RSB: Was kannst du jungen Menschen raten und mit auf den Weg geben, die vielleicht auch eine Einschränkung haben, sich aber sportlich engagieren möchten?
Philipp Zahner: Sucht euch einen Verein in einer Sportart, die euch gefällt. Kleiner Tipp: Beim DBS unter Parasport.de gibt es einen Sportartenfinder + Vereinsfinder. Ansonsten traut euch einfach nachzufragen, Inklusion funktioniert in den meisten Sportarten, man muss sich nur erkundigen.
Ich möchte gerne an den Paralympischen Spielen teilnehmen. Wenn es bei LA28 schon klappen würde, wäre das natürlich perfekt.
Fotos: Daniel Höfelmanns, RSB, DBS, ISSF