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Thomas Leyendecker: Immer den Menschen im Blick

Auf dem Dorf aufgewachsen suchte sich Thomas Leyendecker schon in jungen Jahren eine sportliche Beschäftigung. Fußball? Ne, das war nichts. Der Vater ohnehin Schießmeister und später 1. Vorsitzender des ortsansässigen Schützenvereins in Gering – da war der Weg schon fast vorherbestimmt. Und heute? Heute ist Thomas Leyendecker Landestrainer im Rheinischen Schützenbund und betreut den Nachwuchs im Gewehrkader des Verbandes. Seine Arbeit wurde zuletzt vom Landessportbund Rheinland-Pfalz mit der Auszeichnung zum „Trainer des Jahres“ gewürdigt. Doch was passierte dazwischen?

 

 
„Der Schießsport ist ein Sport, wo du nur dir selbst gegenüber verantwortlich bist“, beschreibt Thomas Leyendecker seine Begeisterung und Faszination. Angefangen mit der Pistole, tauschte er noch im heranwachsenden Alter auf das Gewehr. Gemeinsam mit Freunden ging es regelmäßig an den Schießstand, auf der Suche nach dem besten Schuss. Was als Hobby begann, ist heute nicht nur zur Passion, sondern auch zur Erholung geworden. „Beim Schießen kann ich abschalten und habe Zeit für mich ohne Ablenkung“, so der 59-Jährige.

Thomas ist ein Vorbild. Er stellt sich – auch was die errungenen Erfolge angeht – nie in den Vordergrund, sondern stellt immer nur die Leistung der Athleten und des Teams heraus.

Jürgen Treppmann

Selbst nie im Kader gewesen, oder an Förderstrukturen teilgenommen, war Thomas dennoch schon immer darauf aus, die Freude am Sport zu teilen und an folgende Generationen weiterzugeben. Anfang der 90er Jahre richtete sich sein Verein aus motivierten Menschen und vielen jungen Mitgliedern auf das sportliche Schießen aus. Doch es fehlten die Trainer. Also warum nicht eigenständig innerhalb des Vereins etwas aufbauen? „Anfangs haben wir unsere jungen Schützinnen und Schützen noch eher semi-professionell betreut, das wollten wir ändern“, erzählt Leyendecker. Erster Schritt: Inspiration suchen. Über zahlreiche Lehrgänge wurde ein Netzwerk mit Trainern und Sportlern aufgebaut, sich ausgetauscht, voneinander gelernt und persönlich weiterentwickelt. „Auch wenn das eigentlich nie der Plan war, als ich mit dem Sport angefangen habe, hat es sich zum Glück so entwickelt. Ich habe immer mehr Spaß daran gefunden und wollte mich weiter fortbilden.“

  • Deutsche Meisterschaft 2023 Luftgewehr – Coaching von Franzi Stahl.

  • Landesmeisterschaft 2023 in Dortmund.

In den 2000ern ging es für Thomas dann so richtig los in Richtung Trainerschein. Nach erfolgreich absolvierter C-Lizenz im Jahr 2014 folgte auch die B-Lizenz sowie der Beginn der Arbeit im Landeskader Gewehr des Rheinischen Schützenbundes. Die Aufgabengebiete seiner Arbeit gehen dabei heute deutlich über das eigentliche Training am Schießstand hinaus. Lehrgänge vorbereiten, Hotelreservierungen erledigen, Abrechnungen schreiben, Leistungsdaten erfassen, Sponsoring und Vernetzung sind nur ein Teil der Themen, um die sich Thomas täglich kümmern muss. Und das neben seinem Vollzeit-Job als IT-Leiter im Sozial- und Gesundheitswesen. Alles aus Leidenschaft, um die Interessen des Landeskaders zu verfolgen und saubere Bedingungen für den Sport zu schaffen. Nicht zuletzt aus diesem Grund absolvierte er in 2025 auch noch die A-Lizenz.

Bleibt da eigentlich noch Zeit für private Interessen? „Ja, auf jeden Fall“, so Thomas Antwort. Wenn der Schießsport mal kein Thema sein soll, schwingt er sich gerne auf sein Mountainbike oder bindet sich die Laufschuhe. „Ich bin gerne viel mit Familie und Freunden unterwegs und bin leidenschaftlicher Konzert-Gänger“, so Leyendecker, der bei seiner zweiten Leidenschaft keinen Unterschied zwischen Vergangenheit und Moderne, sprich zwischen Coldplay, Pink Floyd, Peter Gabriel, Sting, oder Imagine Dragons macht.

  • Der größte Wunsch für Thomas Leyendecker? Eine gesunde Familie.

  • RSB-Präsident Jürgen Treppmann: „Thomas ist wie kein anderer in der Lage, die Athleten für diesen Sport zu begeistern, zu motivieren und über die Begeisterung den Erfolg zu erzielen und weiter am Erfolg zu arbeiten.

  • Landesoberliga in Gering im Jahr 2000 – Damals noch in der ersten Mannschaft.

  • Schützenkönig mit Tochter Julia im Jahr 2012.

Doch worauf kommt es Thomas bei seiner Trainerarbeit überhaupt an? Für ihn ist ganz klar: „Ich habe nicht nur den Sportler, oder die Sportlerin im Blick, sondern vor allem den Menschen dahinter. Als Trainer, besonders im Nachwuchsbereich, bist du insbesondere für die persönliche Weiterentwicklung verantwortlich. Jeder Mensch ist individuell und braucht eine andere Herangehensweise.“ Geht es Richtung Leistungssport, legt Thomas Leyendecker viel Wert auf ein hohes Selbstverständnis von Leistungsbereitschaft. Denn „kein Erfolg kommt von selbst.“ Das sei nicht jedermanns Sache, aber auch da hat Thomas zuerst den Menschen im Blick. „Ich verurteile das nicht, es ist menschlich und okay.“

Ich habe nicht nur den Sportler, oder die Sportlerin im Blick, sondern vor allem den Menschen dahinter. Als Trainer, besonders im Nachwuchsbereich, bist du insbesondere für die persönliche Weiterentwicklung verantwortlich. Jeder Mensch ist individuell und braucht eine andere Herangehensweise.

Thomas Leyendecker

Stattdessen freut er sich über viele junge Schützinnen und Schützen, die seinem Beispiel nachgehen und selbst eine Trainerarbeit anstreben. „Ich kann es nur jedem empfehlen.“ Sein Tipp: Fragt in Eurem Verein einfach mal nach. Es gibt sicher einige, die sich über eine Ansprechperson, oder helfende Hand freuen würden. Es muss nicht gleich die Arbeit auf Landes- oder gar Bundesebene sein, engagiert Euch gerne im Verein.

Thomas Leyendecker betreut unter anderem die Spitzensportlerinnen wie Franziska Stahl und steht in engem Kontakt mit Olympionikin Anna Janßen.

Für sein eigenes herausragendes Engagement und in Anerkennung seiner Arbeit wurde Thomas Leyendecker vom Landessportbund Rheinland-Pfalz nun zum „Trainer des Jahres“ ausgezeichnet. Eine Ehrung, die nicht nur seine Arbeit, sondern vor allem auch seine Persönlichkeit würdigt. „Thomas trägt als Landestrainer des Rheinischen Schützenbundes nicht nur die Gesamtverantwortung für das Training und den Wettkampf der Athleten, sondern ist auch in jeder Hinsicht der Ansprechpartner“, so die laudatierenden Worte des RSB-Präsidenten Jürgen Treppmann. „Deutlich unterscheidet ihn von anderen Trainern, dass er wie kein anderer in der Lage ist, die Athleten für diesen Sport zu begeistern, zu motivieren und über die Begeisterung den Erfolg zu erzielen und weiter am Erfolg zu arbeiten. Das von ihm erzeugte sehr gute Klima im Team führt kontinuierlich auch zu guter Leistung. Thomas ist ein Vorbild. Er stellt sich – auch was die errungenen Erfolge angeht – nie in den Vordergrund, sondern stellt immer nur die Leistung der Athleten und des Teams heraus.“

Warum RSB-Präsident Treppmann mit seinen Worten den Nagel auf den Kopf getroffen hat, beweist Thomas Einordnung der Auszeichnung: „Diese Ehrung ist vor allem auch eine Ehrung für unseren Sport. Ich hätte es jedem gegönnt, aber das Sportschießen hat endlich eine große Bühne bekommen. Das war mir die viel größere Ehre. Diese Auszeichnung ist für alle Trainer im Schießsport, die sich einsetzen und alle einen hervorragenden Job machen.“

Diese Auszeichnung ist für alle Trainer im Schießsport, die sich einsetzen und alle einen hervorragenden Job machen.

Thomas Leyendecker

Auch Thomas wird sich weiter für die Schützinnen und Schützen einsetzen und ihnen nicht nur sportliche Fähigkeiten, sondern auch persönliche Werte mit auf den Weg geben. Nicht aus Eigennutz, im Vordergrund stehen die Sportlerinnen und Sportler. „Anna Janßens Teilnahme bei Olympia, oder Finnja Rentmeisters Bronzemedaille bei der KK-Europameisterschaft nach der Berufung in den Nationalkader. Das sind die Momente, in denen mir bewusst wird, dass sich unser aller Arbeit gelohnt hat. Das Aufwachsen und die Entwicklung großartiger Sportlerinnen und Sportler begleiten zu können, die dann auch noch erfolgreich sind – da hat man schon manchmal Pipi in den Augen“, so ein stolzer Trainer.

Und möglicherweise darf sich in Zukunft ja noch eine/r seiner Schützlinge über eine olympische Medaille freuen. „Wenn ich einen Wunsch frei hätte, dann wäre es dieser. Privat wünsche ich mir eine gesunde Familie und vielleicht irgendwann mal ein Enkelkind“, so Thomas Leyendecker mit einem Augenzwinkern.

 
Daniel Höfelmanns
Fotos: Daniel Höfelmanns, Landessportbund RLP/Javier Cabrera, privat

 
Wer noch mehr über das Trainerwesen und die Arbeit mit Spitzensportlerinnen und -sportler erfahren möchte, dem sei das Buch „Mentale Wettkampfstärke“ von Thomas Leyendecker in Zusammenarbeit mit Olympionikin Anna Janßen ans Herz gelegt. In diesem Buch geben die beiden nicht nur einen Einblick in die vermeintlich schwierige Welt des Mentaltrainings, sondern geben gleichzeitig einen Handlungsleitfaden an die Hand, um selbst sowohl im Alltag als auch im Sport mental stärker zu werden. Erhältlich ist das Buch im Online-Shop des Rheinischen Schützenbundes.
 

Wir sind dafür: Jahrestagung der Sportjugend NRW im Zeichen von Olympia an Rhein und Ruhr